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28.06.2005 04:50
Schutzpatron der Funker
Hamilton Almeida signiert sein Buch, das den wahren Erfinder des Radios
beschreibt
Friedrichshafen
VON ANDREA FRITZ
Friedrichshafen - Es war nicht Marconi. Der Mann, dem es als
erstes gelang Stimmen drahtlos zu übertragen, war der
brasilianische Pater Landell de Moura. Die Erfindung des
Radios geht also auf das Konto eines Benediktinerpaters vom
Rio Grande, über den in Europa fast nichts bekannt ist.
Der Schriftsteller und Journalist Hamilton Almeida weiß mehr
über den Pater und seine Erfindungen als jeder andere
Mensch, er reiste aus São Paulo an, um auf der HAM RADIO
sein 1983 erschienenes Buch über den Erfinder, in deutscher
Übersetzung vorzustellen und zu signieren.
Der in Blumenau/Brasilien lebende Honorarkonsul Hans
Prayon, der selbst ein begeisterter Funkamateur ist,
dolmetschte am Stand des DARC Verlages.
Prayon lernte den Wissenschaftsjournalisten auf der
Amateurfunkmesse "Blu Radio" in Brasilien kennen, wo dieser
den funktionierenden Nachbau von Pater Landells
Wellensender vorstellte. Über Amateurfunk verbreitete sich die Nachricht.
Die ebenfalls in Blumenau lebende 85-jährige Funkamateurin Alda Niemeyer
wurde zum Katalysator für die Verbreitung der Schriften. Sie übersetzte
das
Werk und der Konstanzer Funkerkollege von "Oma Alda", Heinz Prange
gründete eigens einen Verlag, in dem 2004 die deutsche, erweiterte
Ausgabe
von "Pater und Wissenschaftler" erschienen ist. 30 Jahre hat Almeida
recherchiert, tausende Manuskripte und Zeitungssammlungen durchforscht,
Zeitgenossen und Familienangehörige interviewt. Auf seine Initiative
bildete
sich eine Arbeitsgruppe am Zentrum für Forschung und Entwicklung der
Telebras in Campinas, das den Namen des Paters trägt und hochoffiziell
bestätigt, dass man unter den Erfindungen von Pater Landell Vorläufer
nicht
nur des Radios, sondern auch des Fernsehers, des Fernschreibers und der
Fernsteuerung findet.
"Es ist eine ungeheure Ehre für mich, ich bin begeistert, dass ich
hier und
heute die Geschichte des Paters in Europa bekannt machen kann", übersetzte
der Honorarkonsul die Worte Almeidas.
Es ist eine ungerechte Geschichte, die dieser in seinem Buch zu korrigieren
versucht. Reich und berühmt wurde Pater Landell nur deshalb nicht,
weil ihm
die Kirche jede Kommerzialisierung untersagte. Seine in Nordamerika
angemeldeten Patente verfielen ungenutzt. Obgleich er die Kirche immer
vor
die Wissenschaft stellte, entzog man ihm zeitweise sogar die Erlaubnis,
sein
Priesteramt auszuüben. Geschichten, Zeichnungen, Schaltpläne,
Übersetzungen der Patente und Briefe zeichnen ein Bild des brasilianischen,
zwischen 1861 und 1928 lebenden Geistlichen, das Almeida noch immer
nicht für vollständig hält.
Der Autor Hamilton Almeida will weiter forschen. Die brasilianischen
Funkamateure indes haben Pater Landell längst zu ihrem Schutzpatron
erkoren.
Andrea Fritz
Wichtige Angaben zum Buch: Hamilton Almeida; Pater und Wissenschaftler.
Erschienen im Debras-Verlag, Konstanz 2004, 188 Seiten; 14,80 Euro.
ISBN 3-937150-01-3.